Climatronic ist die Bezeichnung für die automatisch/elektronisch geregelte Klimaanlage im T4 mit 2 Verdampfern. Sie wurde zum Modelljahr (MJ) 1996 mit grüner Beleuchtung eingeführt und zum MJ1999 (rot-blaue Beleuchtung) erheblich verändert. Die Geräte ab MJ1999 sind grundsätzlich nicht kompatibel zur Climatronic-Version davor. Ein Umbau ist aber mit einigem Aufwand möglich.
Mit der 'blauen' Climatronic wurde zudem die Bedienungs- und Anzeigeeinheit E265 (Climatronic hinten) eingeführt, mit der eine Bedienung der Climatronic im und für den Fahrgastraum ermöglicht wird.
Das Steuergerät J255 (Climatronic) bildet mit dem Schalter E87 (Bedienungs- und Anzeigeeinheit für Climatronic) eine Einheit und ist das zentrale Bedien- und Steuerelement der Climatronic. Es überwacht und steuert, mit kleinen baujahrabhängigen Unterschieden, die nachfolgenden Sensoren, Ventile und Stellelemente, bzw. wird von Komponenten beeinflusst:
Bei der Climatronic ist zwischen den beiden Klimazonen (Führerhaus und Fond) ein maximaler Temperaturunterschied von 3°C einstellbar. Um die Climatronic abzuschalten, muss lediglich die Gebläsedrehzahl für vorne auf 0 geregelt werden. Im Display erscheint dann der Schriftzug "off"
Einbauort
Die Climatronic-Einheit ist baujahrunabhängig zentral im Armaturenbrett eingebaut.
Einbauort
Ausbau und Zerlegen
Ausbau/Zerlegen sind für Climatronic ab MJ1999 beschrieben. Die Version davor wird auf ähnliche Art und Weise 'bearbeitet'.
Die Blende um das Bedien-/Steuerteil ist nur geclipst. Sie besitzt oben 2 Clipse, die ins Armaturenbrett greifen, und unten 4 Stege, die in Clipse am Climatronic-Bedienteil greifen.Befestigung der BlendeBeim Heraushebeln darauf achten, dass die Blende bzw. anliegende Komponenten nicht beschädigt werden; eine weiche Unterlage verwenden.
Blende um Bedien-/Steuereinheit abhebeln. Am einfachsten dürfte es sein, einen normalen Schraubenzieher in einen der Schlitze für die Fixierung der Gummimatte im Ablagefach oberhalb der Bedien-/Steuereinheit einzuführen und diesen nach vorne zu ziehen. Alternativ mit jeweils 2 Fingern links und rechts in das Ablagefach fassen und leicht nach außen drücken. Jetzt das Fach nach vorne heraus ziehen.
Blende abhebeln
Blende mit 4 Fingern abziehen
4 Befestigungsschrauben der Bedien-/Steuereinheit herausdrehen.Befestigungsschrauben
Bedien-/Steuereinheit nach vorne herausziehen, die 3 Steckverbindungen lösen und die Einheit ablegen.Teilentnommen
Wiederherstellung:
O.a. Arbeitsschritte in umgekehrter Reihenfolge.
Zerlegen
Hinweise:
Da es für die Bedien-/Steuereinheit ab MJ1999 keine Ersatzteile gibt, macht eine Zerlegung grundsätzlich nur dann Sinn, wenn man offensichtliche Defekte reparieren will/kann.
Beim Trennen der Bedien- von der Steuereinheit darauf achten, dass kein Zug auf das Flachbandkabel ausgeübt wird.
Werkzeuge:
normaler Schraubenzieher zum Hebeln
Schrauber Torx T7 (T6 geht auch), bei den ersten blauen Kreuzschlitz PH1
Arbeitsschritte:
Bedien-/Steuereinheit ausbauen; siehe oben.
4 Befestigungsschrauben Torx T7 herausdrehen, bei den ersten blauen Kreuzschlitz PH1
Befestigungsschauben
Befestigungsschauben alt
Typenschild einer 'frühen' blauen Climatronic
Clipse der Bedieneinheit zum Gehäuse rundum lösen und Bedieneinheit vorsichtig nach vorne herausziehen; auf das Flachbandkabel achten.Befestigungclipse
5 Befestigungsschrauben herausdrehen, um das Tastenfeld abnehmen zu können.Befestigungsschrauben TastenfeldAbmontiertes Tastenfeld
2 Befestigungsschrauben des kleinen Lüfters herausdrehen (Torx T7)Befestigungsschrauben des Lüfters2 Clipse lösen und den Lüfter von der Platine abziehen; die Kontakte sind nur gesteckt.Lüfter abgebaut
Um bei Bedarf die große Leiterplatte aus dem Gehäuse entnehmen zu können die Verriegelung der beiden äußeren Stecker lösen.Rastnasen entriegeln
Wiederherstellung:
O.a. Arbeitsschritte in umgekehrter Reihenfolge.
Eigendiagnose, Prüfung und Störungen
Eigendiagnose
Das Climatronic-Steuergerät ist sehr umfangreich über die Diagnoseschnittstelle diagnosefähig. Fast alle Geberwerte und Regelzustände lassen sich in Echtzeit auslesen. Darüber hinaus ist eine umfangreiche Stellglieddiagnose möglich.
Klimacodes
Wie auch von anderen Climatronic-Steuergeräten bekannt, kann auch dieses in einen Diagnose-Modus geschaltet werden. Dazu müssen zuerst 'Scheibe' und 'ECON' (links oben und rechts unten) gleichzeitig gedrückt werden und danach sofort 'Umluft' und 'AUTO' (links unten und rechts oben).
Die Anzeige wechselt jetzt in eine Diagnose-Anzeige, mit den rechten 'Wärmer' und 'Kälter' Tasten können 40 Kanäle angewählt werden.
Bislang ist nur Kanal 15 als Geschwindigkeit in km/h identifiziert. Manche Kanäle zeigen Temperaturen in °C, andere weitere Symbole oder Zahlen.
Teilweise können Werte mit den rechten 'Gebläse stärker' und 'Gebläse schwächer' Tasten verändert werden, die Auswirkungen sind jedoch nicht bekannt. Da hierbei die Climatronic nachhaltig verstellt werden könnte, sind derartige Versuche nicht empfehlenswert.
Beendet wird der Modus durch drücken von 'AUTO'
Störungen
Wenn die Displayanzeige beim Einschalten der Zündung blinkt, so ist ein Fehler erkannt und im Fehlerspeicher hinterlegt worden. Bis zur endgültigen Diagnose sollte der Klimakompressor vorsorglich ausgeschaltet bleiben, d.h. die Climatronic in den "ECON" Modus schalten.
Es wird immer mal wieder berichtet, dass die Climatronic nach längerer Fahrzeit (> 1/2 Stunde) anfängt nur noch 'kalt' zu blasen. Ein Erhöhen der Solltemperatur führt nur zu einer kurzfristigen Lösung. Im Fehlerspeicher befindet sich jedoch kein Fehlereintrag. Eine mögliche Ursache hierfür ist ein stark verschmutzter oder gar blockierter Lüfter in der Climatronic. Dadurch misst der Temperatursensor in der Climatronic nicht mehr die Temperatur des Innenraums, sondern eine Temperatur im Climatronicsteuergerät. Da sich dieses im Betrieb erwärmt, ist eine zu kalte Temperatur im Innenraum die logische Folge. Leider ist kein Ersatz für den kleinen Lüfter bekannt. Zumindest der nach MJ1999 kann aber recht einfach zerlegt, gereingt und frisch geschmiert werden.
Wie geht man dabei vor?
Lüfter ausbauenLüfter der Climatronic ab MJ1999 (ist schon recht sauber)
Verriegelung der Achse mit 2 Nadeln aushebelnVerriegelung der Achse mit 2 Nadeln lösen
Jetzt mit einer kleinen Zange beherzt den mittleren Knubbel im Lüfterrad packen und das Lüfterrad mit Achse herausziehenLüfterrad herausziehen (2 Nadeln verwenden!)
Jetzt können das Lüfterrad und die Elektronik mit einem weichen Pinsel vom Staub befreit werdenBlick auf die gereinigte Elektronik
Dann noch mit Druckluft vorsichtig durch das Lager blasen. Schließlich mit einer winzigen Menge eines hochwertigen Fettes die Achse schmieren und den Rotor wieder bis zum Einrasten in das Gehäuse drücken.
Jetzt steht einem Funktionstest nichts mehr im Weg. Der Lüfter wird mit 12V betrieben, die Polarität ist im ersten Bild angegeben. Er muss fast geräuschlos laufen.
Leider hat sich gezeigt, dass dies nicht immer zum Erfolg führt. Der Lüfter meiner Climatronic ist leichtgängig, läuft aber trotzdem nicht mehr an. Steckt man den Läufer in ein anderes Gehäuse, läuft er auch dort nicht, er hat also seine Magnetisierung zum Teil verloren. Da hilft dann nur Ersatz...
Betrieb am Laborplatz
Die Climatronic läßt sich recht problemlos am Laborplatz betreiben, allerdings erfordert dies doch fundierte Elektronikkenntnisse. Für einen einfachen 'Röcheltest' (ob sie überhaupt funktioniert) reicht eine stabilisierte Gleichspannungsquelle mit 12-14V und 500mA Strombelastbarkeit. Die Stromaufnahme beträgt ohne Beleuchtung weniger als 100mA, mit Beleuchtung weniger als 200mA.
Anschluss Climatronic
Hier als Beispiel die Fehlersuche an einer Climatronic mit Displayfehler
Climatronic Displayfehler
So sieht das ganze mit aktivierter Beleuchtung aus
Beleuchtung aktiviert
Die Climatronic reagiert auch in dieser Minimalkonfiguration auf Tastendrücke.
Beleuchtung
Zum Einsatz kommen SMD LED 3528 (= Bauform PLCC2). Die LEDs lassen sich im verbauten Zustand, z.B. mit LED-Tester oder Multimeter mit Diodentester, überprüfen. Die Prüfung der LED kann direkt an den Lotstellen oder alternativ über die nächstliegenden Bohrungen in der Leiterbahn erfolgen. Achtung: Zu viel Energie zerstört die LEDs ! Die abgeschrägte Ecke der LED zeigt die Kathode an; die andere Seite ist die Anode = Pluspol. Auf der Platine sind die Einbaulagen mit "K" und "A" gekennzeichnet.
Tipps:
Die beiden blauen LEDs benötigen eine etwas höhere Energie zur Prüfung (also nicht wundern, wenn die Roten aufleuchten, die Blauen aber nicht) Stromstärke 20-25 mA // Rot ca. 2,2 V + 300 mCd // Blau ca. 3,8 V
Scheint die LED defekt zu sein, kann die Ursache auch ein Kontaktproblem durch Oxidation an den Lötstellen sein. Deshalb vor Entfernen der LED das Lot erwärmen, um Kontaktprobleme auszuschließen
Bei Ersatz-LEDs möglichst großen Temperaturbereich wählen
Die 5-stellige Zahl ergibt sich nun aus der Aneinanderreihung der o.a. Ziffern, wobei im Fall der Mehrausstattungen zunächst die Werte für die jeweils zu aktivierenden Ausstattungen zusammengezählt werden müssen. Beispiel: