Geber G200 (Querbeschleunigung)

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Duosensor G200/G202

Funktion[Bearbeiten]

Die Geber G200 (Querbeschleunigung) und Geber G202 (Drehrate) erfassen die tatsächliche Bewegung des Fahrzeugs und liefern ihre Daten an das ESP-Steuergerät, das dann nach Ver-/Abgleich mit anderen Daten (z.B. Lenkwinkel) und erkannter Notwendigkeit das Fahrverhalten beeinflusst (Regeleingriff).

  • G200 meldet dem Steuergerät ein seitliches Ausbrechen des Fahrzeuges. Dazu wird ein kapazitiver Sensor genutzt, der im Prinzip aus zwei nebeneinander liegenden Plattenkondensatoren besteht, die gemeinsam eine beweglich gelagerte, mittlere Platte verwenden. Bei einer Beschleunigung wird diese mittlere Platte verschoben und das Verhältnis der Kapazitäten der beiden Kondensatoren ändert sich. Die Auswerteelektronik erfasst diese Kapazitätsänderung als Maß für die Querbeschleunigung.
  • G202 erfasst über die Drehrate eine Schleudertendenz. Es kommt ein im Prinzip induktiver Geber zum Einsatz, bei dem das elektrische Verhalten einer im Geber verbauten schwingfähigen Masse in einem Magnetfeld ausgewertet wird.


Beide Geber sind nur bei T4 mit Elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) in einem Gehäuse als Duosensor (auch Kombisensor) verbaut.

Einbauort[Bearbeiten]

Der Duosensor ist auf einem auf den rechten vorderen Radkasten geschweissten Halter unten an der A-Säule geschraubt. Er ist durch eine zusätzliche Abdeckung geschützt.

Einbauort
Geber ohne Abdeckung
Geber mit Abdeckung

Der Einbauort verwundert ein wenig, weil der Geber G200 für die Querbeschleunigung eigentlich möglichst nahe am Schwerpunkt des Fahrzeugs verbaut sein sollte.

Ausbau[Bearbeiten]

Zum Ausbau müssen nach Zurücknehmen des Teppichs lediglich 2 Muttern (M6) gelöst und die Steckverbindung getrennt werden.

Von Halter gelöster Geber

Achtung:

  • der Geber ist sehr empfindlich,
  • die Einbaulage ist für die Funktion ausschlaggebend; wird er 'schief' eingebaut, ist eine zuverlässige Funktion des ESP nicht gewährleistet,
  • nach Tausch sollte immer ein ESP-Fahrtest durchgeführt werden; siehe unten ESP-Fahrtest.


Teilenummer[Bearbeiten]

Teilenummer Bezeichnung Preis (2012)
4B0 907 637 A Kombi-Sensor für Beschleunigung und Drehrate ca. 702 Euro
7D0 937 535 Halter ca. 8,50 Euro
N 015 082 13 Sechskant-Bundmutter M6 ca. 0,25 Euro


Schaltbild und Anschluss[Bearbeiten]

Der Kombi-Sensor ist nur mit dem ESP-Steuergerät J104 verbunden.

Schaltbild


Eigendiagnose, Prüfung und Störungen[Bearbeiten]

Eigendiagnose[Bearbeiten]

G200/G202 sind über das ABS-/ESP-Steuergerät diagnosefähig. Für eine verlässliche Eigendiagnose (Fehlerspeicher) muss der Geber G85 (Lenkwinkel) in Ordnung sein, weil der Lenkwinkel als Referenzwert genutzt wird. Im Detail werden u.a. die jeweiligen Nulllagen mit einander verglichen.

Fehlernummer
Beschreibung
01423 Sensor für Querbeschleunigung G200
(Einbaulage nicht in Ordnung, defekt, Unterbrechung/Kurzschluss nach Masse oder Plus)
01423 Sensor für Querbeschleunigung G200 - elektrischer Fehler im Stromkreis
01423 Sensor für Querbeschleunigung G200 - unplausibles Signal
01424 Geber für Drehrate G202 - Signalleitung elektrischer Fehler im Stromkreis
01425 Geber für Drehrate G202 - Referenzleitung elektrischer Fehler im Stromkreis


Prüfung[Bearbeiten]

Die Prüfung des Gebers erfolgt über die Eigendiagnose durch Auslesen des Fehlerspeichers sowie während der Durchführung eines ESP-Fahrtests. Bei Letzterem wird die Plausibilität der Signale von G200 und G202 überprüft. Siehe unten.


Störungen[Bearbeiten]

Typische (Serien-)Fehler sind nicht bekannt. Bei Ausfall des Gebers wird das ESP deaktiviert und eine Warnmeldung (Kontrollleuchte) wird aktiviert.


ESP-Fahrtest[Bearbeiten]

Der Fahrtest wird über 04 Grundeinstellung - Anzeigegruppe 3 aktiviert und durchgeführt. Ist er eingeleitet, kann er nicht mehr abgebrochen werden und es muss gefahren werden. Direkt nach Aktivierung müssen die Kontrolllampen K47 für Antiblockiersystem und K155 für Elektronisches Stabilitätsprogramm aufleuchten.

Bei der Durchführung der Testfahrt ist zu beachten:

  • Bei Kurvenfahrt muss eine Drehrate von ca. 10 Grad/s erreicht werden. Gemäß VW wird die bei einer Kurve mit einen Radius von 10 bis 12 m und einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 km/h für eine Dauer von ca. 4 s erreicht.
  • Es muss so gefahren werden, dass weder ABS-, EDS- noch ESP-Regeleingriffe stattfinden.
  • Zwischen den Kurvenfahrten dürfen ohne Einfluss auf den Fahrtest andere Fahrmanöver (z.B. verkehrsbedingt) liegen.


Durchführung:

  1. Motor anlassen.
  2. Stillstandsabgleich durchführen.
    Dazu das Bremspedal stark betätigen (Bremsdruck > 35 bar) und halten, bis die Kontrolllampe K155 (ESP) erlöscht.
  3. Probefahrt beginnen:
    1. Kurve nach links oder rechts fahren und direkt anschließend eine Kurve in die entgegengesetzte Richtung fahren.
    2. Anschließend einige Zeit geradeaus fahren.
    3. Die Kontrolllampe K47 (ABS) muss erlöschen, womit der Fahrtest erfolgreich abgeschlossen ist. Ist dies nicht der Fall, Fehlerspeicher auslesen und den Test ggf. wiederholen.